ex.alp: alles falsch gemacht?

Peter Zellmann, Trendforscher und Leiter des Instituts für Freizeit und Tourismusforschung und Autor des aktuellen Buchs „Die Zukunft der Arbeit“ stellte in Alpbach seine Thesen zur Entwicklung unserer Gesellschaft vor. ex.alp bat ihn, seine Überlegungen auf aspern Die Seestadt Wiens zu projizieren.

Was würden Sie den EntwicklerInnen von aspern Die Seestadt Wiens im Bezug auf die Zukunft der Arbeit und die Zukunft der Freizeit mitgeben?

Für alle, die entwickeln, ist es ganz entscheidend zu verstehen, dass wir in einem neuen Zeitalter stehen: wir erleben einen radikalen Paradigmenwechsel, einen dramatischen und grundlegenden Wandel der Gesellschaft. Das Zusammenleben der Menschen wird ganzheitlicher, charakterisiert durch ein „sowohl als auch“: weiblich und männlich, Emotion und Ratio, Spaß und Leistung, Arbeit und Freizeit, Beruf und Familie und so weiter. Manche durch die Industrialisierung verschütteten Werte treten gleichwertig neben jene, die lange bestimmend waren. Und der Prozess geht laufend weiter: Arbeit und Freizeit werden sich in 15 Jahren noch einmal ganz anders darstellen als heute.

Die Marke aspern Die Seestadt Wiens ist ja genau damit aufgeladen, die EntwicklerInnen orientieren sich an solchen Werten. Woran könnte man ablesen, ob das auch in die Realität gebracht werden kann?

In der Seestadt weiß man das tatsächlich erst in 10 Jahren, aber man kann Vermutungen aus den Planungen heraus anstellen: Findet sich in dem, was an Planungen und Konzepten vorliegt die Ganzheitlichkeit von Work und Leisure, Generationen, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen oder speziellen Bedürfnissen. Sind die Vorstellungen getragen von einem lebendigen, selbstverständlichen Miteinander? Dabei geht es um die Details, die kleinen Schritte: etwa Wohnungsgrundrisse, wie weit sind Wege, welche Qualität der Arbeitsplätze wird angeboten. Die laufende Evaluation der Planungsprozesse in dieser Hinsicht ist das Entscheidende, um diese Qualitäten ins Leben zu bringen. In dieser Kleinarbeit zeigt sich, ob die Zeitenwende verstanden wurde. Dabei sollte die Wissenschaft in die Pflicht genommen werden: sie könnten die Projekte kontinuierlich und mitverantwortlich begleiten, nicht nur punktuelle Impulse geben. Dann wäre die Wissenschaft mit verantwortlich für die Qualität der Ergebnisse und kann dann nicht nachher sagen: alles falsch gemacht!