ex.alp: „Schools Change slower than Churches“

Welche Bildung braucht die Jugend? Dieser Frage geht das Seminar mit der Nummer 11 hier in Alpbach nach. Heiner Barz, Professor für Bildungsforschung und Bildungsmanagement, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Ulrich Erhard, Systemischer Organisationsberater, denkmodell GmbH, Berlin und Gerhard Deny, Selbständiger Lehrer für Deutsch, Lehrerkooperative, Frankfurt am Main diskutieren Bildung.

Wie hat sich das europäische Bildungsideal entwickelt? Welche Rückschlüsse kann man aus der Geschichte der Bildung auf die Gegenwart schließen? Die zweite Einheit des Seminars ist ganz der Entwicklung der Bildung in Europa gewidmet. Der Bildungsbegriff soll dabei zunächst entrümpelt und abgestaubt, dann geöffnet und schließlich verteidigt werden.

Zusammenfassend gesagt: Es war kompliziert und anstrengend, den Seminarleitern auf ihrer Wissensreise zu folgen. Ein Auszug: Bildung wurde zuerst bei Platons Höhlengleichnis erwähnt. Dieses stellt das Urgleichnis aller europäischen Bildungsvorstellungen dar. Gerhard Deny: „Bildung ist nach Plato etwas, was die Menschen nicht wollen.“ In der mittelalterlichen Mystik wurde die Bildung wie das frei werden von falschen Bildern gesehen. Das Ziel der Menschen in dieser von Religionen dominierten Zeit war das hineinverwandeln in Christus. Später, zur Zeit des Neuhumanismus wurde die Allgemeinbildung als Verwirklichung des Ideals der Menschen gesehen. Ziel war die Emporbildung des Einzelnen zum Weltbürger. Die Philosophie sollte dabei eine Wissenschaft der Wissenschaften auf einer höheren Ebene sein, um der allmählichen Zersplitterung der Einzelwissenschaften entgegenwirken zu können. Heute erleben wir nach Revolutionen vom rechten und linken politischen Rand ein Aufleben der Subjektivität. Das christliche Weltbild hat an Kraft verloren und die Individuen streben nach Selbstverwirklichung.

Diesem sehr theoretischen Vortrag über Bildung folgte eine interessante Diskussion über einen schulkritischen Zeitungsartikel. Wir aspern Seestadt Nachwuchsforscher konnten dabei mit Lehrern, Direktoren, verschiedenen Studenten und Philosophen von Gleich zu Gleich reden und unsere unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Bildungssystem teilen. Das zum Beispiel ist ein Teil vom „Spirit of Alpbach“, den wir morgen bei der Sonnenaufgangs-Wanderung auf den knap 1900m hohen Gratlspitz noch näher kennen lernen möchten.