stadt.schreiben HM

Beim Gedanken an meinen schriftstellerischen Stil stellt sich die Frage, ob es mir eines Tages gelingen wird, mit meinem Schreibtisch zu verwachsen. Dazu ziehe ich mich aus, lege sämtliche Kleidungsstücke ordentlich zusammen und arrangiere sie auf der Tischplatte, als handle es sich um Lampe, Aschenbecher und Lieblingsstift. Dann ziehe ich sämtliche Laden aus dem Schreibtisch, hänge die Türen der seitlichen Fächer aus und krieche von unten in das hölzerne Gestell. Wo die mittlere Lade war, blicke ich jetzt hindurch wie durch den Sehschlitz am Visier eines robusten Helmes. Mein Blick fällt auf den Schreibtischsessel, auf dem niemand sitzt. Meine Beine lassen sich abgewinkelt in den seitlichen Fächern meines Schreibtisches unterbringen, meine Arme verlaufen entlang des Gehäuses der schmäleren Laden links und rechts. Wo sich die Griffe der seitlichen Laden befanden, schauen jetzt meine Hände heraus, als gehörten sie zum Inventar des Tisches. Oder als habe sich ein Mensch in einen Tisch verwandelt, nur eben nicht vollständig. Das da waren seine Kleider, das da sind seine Finger.