stadt.schreiben: Die Strasse

Am Anfang hat es mich fast wahnsinnig gemacht, immer wieder dieselbe Strasse entlang gehen zu müssen, jeden Tag drei oder viermal, hin und zurück, die Strasse zog sich endlos, ich betrachtete sie kaum mehr, dachte nur intensiv an sie und über sie nach, während ich an ihr entlang ging, hetzte, schlenderte, dass sie mich überaus langweilte, weil ich unzählige Male an ihr entlang gegangen bin, dass ich zwar ausrechnen könnte, aber keinesfalls möchte, wie oft ich noch an ihr entlang gehen werde, in diesem Jahr, im nächsten Jahr; bis ich entdecke, dass ich sie nicht mehr bemerke. Sie ist mir egal geworden. Nein, ich mag sie sogar. Ich schätze diese Strasse, die mich dorthin führt, wo meine Wohnung ist.

(Textbeitrag: Andrea Grill)