stadt.schreiben: Entertainment Cities

Über Städtebau und Urbanistik gibt es eine Fülle empfehlenswerter Literatur. Einige diesbezügliche Texte habe ich mir vorgenommen, bin jedoch an jedem einzelnen gescheitert. Frustriert beschließe ich, mich mithilfe eines Tricks in den Besitz zumindest der grundlegenden Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu bringen.

Einem hinreichend bewährten Ritual folgend, bette ich eines Abends meinen Kopf auf einen Stapel der wichtigsten Bücher zu diesem Thema. Vor dem Einschlafen konzentriere ich mich so gut es geht auf die darin abgehandelten Gesichtspunkte, über die ich mir einen vagen Überblick verschafft habe. Der Trick besteht darin, morgens als jemand zu erwachen, der nicht nur ausgeschlafen ist, sondern eine ganze Menge über Dinge weiß, von denen er gestern noch keine Ahnung gehabt hat. Als Unterlage für meinen Kopf erweisen sich die Bücher allerdings als ebenso ungeeignet wie sie sich in ihrer Eigenschaft als Lektüre als zu trocken herausgestellt haben. Studieren heißt schließlich nicht am Honig lecken, denke ich mir gähnend und ziehe mir die Decke bis unters Kinn. Mitten in der Nacht halte ich es nicht mehr aus. Ich stehe auf und tausche zumindest die beiden zuoberst liegenden Bände gegen ein Telefonbuch. Seine sanfte Fülle zeigt sich bereit, meinem Schädel zumindest ansatzweise nachzugeben.

In der Früh läutet das Telefon noch vor dem Wecker, was ich – schlaftrunken – nicht gleich zuordnen kann. Ich schüttle den Wecker, während das Telefon sein Läuten fortsetzt. Als ich endlich begriffen habe und den Hörer abhebe, hat – wer immer dran gewesen sein mag – es bereits aufgegeben, mich zu erreichen.

 

(Textbeitrag: Hanno Millesi)